Weinbau in Berlin hat Tradition
In Berlin gibt es alles, das weiß man als Berliner sowieso und als Neuberliner bzw. Wahlberliner spätestens nach dem ersten Jahr in der Hauptstadt. Hier kann man Nächte durchfeiern, fremde Kulturen entdecken, Kultur in allen Facetten erleben und jeden Tag etwas Neues wahrnehmen. Aber etwas wie Weinbau in Berlin? Gibt es das? Hier? Im Reich der Biertrinker?
Berliner Wein - und es gibt ihn doch!
Dass die Bundeshauptstadt als Weinbaugebiet eine längere Tradition aufweisen kann, wissen die wenigsten. Dass es heute einige Fleckchen mit Rebstöcken in Berlin gibt, ist bemerkenswert. Wo die Exoten zu finden sind und wie sie dorthin gelangten, erfahren Sie im folgenden Artikel.
Weinbau in Berlin hat Tradition
Die ersten Versuche im Weinanbau reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als Mönche Rebstöcke im Berliner Raum anpflanzten. Als die Temperaturen zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert in Europa stiegen, konnte Wein auch in Norddeutschland kultiviert werden. Berliner Wein wurde sogar nach Nord- und Osteuropa ausgeführt. Somit hat der Weinbau in Berlin eine längere Tradition als in heute sehr bekannten und geschätzten Weinregionen in Kalifornien, Südafrika oder Australien.
Seine Blütezeit hatte der der Weinbau in Berlin vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. In dieser Zeitspanne existierten in Berlin sage und schreibe 96 Weinberge."Märkischer Erde Weinerträge - gehen durch die Kehle wie 'ne Säge"
Der Wandel des Klimas, der mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts einsetzte, und die Konkurrenz aus den südlichen Weinbaugebieten führten zu einem allmählichen Niedergang des Weinanbaus in Berlin. Der Wein aus dem Süden war weitaus süßer als der hiesige, herbere Berliner Wein und traf den Geschmack der Berliner, der zunehmend von Bier und Korn geprägt wurde. Die kälteren Winter führten dazu, dass viele Rebstöcke diese Jahreszeit nicht überstanden.
Gleichzeitig dehnte sich die wachsende Stadt aus, sodass dieser Expansion zahlreiche Weinanbauflächen zum Opfer fielen. Zusätzlich wurden Agrargebiete für den Getreideanbau benötigt.
Es dauerte dann fast 250 Jahre, bis der Berliner Wein aus seinem Dornröschenschlaf erwachte, als 1968 am Kreuzberg wieder Rebstöcke gesetzt wurden, die von der Partnerstadt Wiesbaden geschenkt wurden. In den 1970er Jahren wurden auch auf dem Teufelsberg Reben angepflanzt. Wenige Jahre später konnte man auch schon das Wilmersdorfer „Teufelströpfchen" kosten. Heute wird der Trümmerberg nicht mehr für den Weinanbau genutzt.
Weinanbauflächen in Berlin
Heute zählt man in ganz Berlin ungefähr 1.500 registrierte Reben, verteilt auf 10 Weingärten. Berlin selbst ist kein anerkanntes Weinbaugebiet. Aus diesem Grund müssen für die bestehenden Anbauflächen Sonderrechte erteilt werden, wenn der Wein kommerziell produziert wird. Die Anbaugebiete in Berlin werden dann an rechtlich zugelassene Weinbaugebiete angeschlossen. Allerdings steht jedem Bürger laut Gesetz frei, eine bestimmte Menge selbstangebauten Weines ohne Auflagen zum Selbstverbrauch zu lagern.
Ein bekannter Tropfen aus Berlin ist der Kreuz-Neroberger, der ebenso wie Spätburgunder am Rande des Kreuzbergs angebaut wird. Rund 200 Flaschen werden hier pro Jahr erzielt. Diese dürfen allerdings nicht verkauft werden. In Schöneberg wird Riesling in der Gartenarbeitsschule kultiviert, der Schöneberger Nahe-Freund. Im Wilmersdorfer Stadion hat sich die Nordkurve zu einer kleinen Weinlage entwickelt, mit deren Trauben jährlich rund 100 Liter Wilmerdorfer Rheingauperle produziert werden können. Seit 1999 gibt es auch den „Antennenberg"-Wein in Tempelhof. Der Anbau auf einer ehemaligen Brachfläche zwischen Colditzbrücke und Ullsteinhaus ist dank einiger Rebpatenschaften und der Unterstützung durch einen Antennenhersteller gesichert. Allerdings darf dieser Wein nicht verkauft werden.
Unterhalb des Bunkers im Humboldthain liegt Berlins Anbaufläche für den Haupstadtsekt. Im Prenzlauer Berg ist Berliner Riesling zuhause, der in Halbliterflaschen abgefüllt wird.
Die meisten Erträge der Berliner Weinanbauflächen werden nicht direkt in der Hauptstadt gekeltert. Die Trauben werden nach der Ernte in die befreundeten Weingüter oder Partnerstädte gebracht, wo die Trauben dann weiterverarbeitet werden.
Berliner Wein - bald keine Seltenheit mehr?
Es soll Weinexperten geben, die eine kontinuierliche Erweiterung der Weinanbauflächen voraussagen. Sie sehen den Klimawandel in diesem Zusammenhang als Garant für eine erfolgreiche Weinkultivierung auch in nördlicheren Gebieten. Vielleicht wird der Weinbau für Berliner eines Tages noch zu einem lukrativen Erwerbszweig.
Bis es soweit ist, müssen Weinfans und Weinliebhaber noch auf den Rebensaft von der Spree warten. Allerdings bietet Berlin viele Möglichkeiten zum Weingenuss. Alljährlich findet auch die Berliner Wein Trophy statt, ein Wettbewerb für Weine. Auch im Internet gibt es immer brauchbarere Quellen für Weine. Wer selbst Lust hat, seine Gedanken zum Wein zu verbreiten, kann sich hier ein passendes Wein Template für Joomla oder WordPress herunterladen.





