Wer Potsdam und seine Schlösser schon einmal besucht hat und auf der Suche nach etwas Natur, Bewegung und Sehenswertem in der Umgebung ist, sollte unbedingt eine Fahrradtour durch die Mittelmark machen. Zahlreiche Fahrradwege bieten rund um die sehenswerte, idyllische Seenlandschaft, die Möglichkeit einmal rauszukommen, sich zu bewegen und Natur zu erleben.
Dabei sollte man einen Ort nicht verpassen. Er ist Teil der Stadt Beelitz, bekannt für seine Landwirtschaft und den köstlichen Spargel der dort auf den Feldern wächst. An den Spargelfeldern vorbei, erreicht man Heilstätten, der Ort ist benannt nach der Lungenheilstätte, die zwischen 1898 und 1930 auf einer Fläche von 200 Hektar hier errichtet wurde. Eine gigantische Anlage offenbart sich, wenn man das Eingangstor und den Empfangsplatz betritt. Linker- und rechterhand erstrecken sich zwei große Gebäude in typischer Architektur des anfangenden 20. Jahrhunderts. Ein russisches Kriegsdenkmal, einen Soldaten mit Gewehr darstellend, steht vor dem Hauptgebäude, das prachtvoll zwischen den beiden seitlichen Gebäuden steht. Die Fenster der Häuser sind zum größten Teil mit Brettern zugenagelt, rundherum erstreckt sich eine verwilderte Umgebung. Dringt man weiter in die heute denkmalgeschützte Anlage ein, ahnt man welche Kapazität der einstige Krankenhauskomplex gehabt haben muss. Zahlreiche Gebäude stehen da und verfallen inmitten der Natur. Der einzige Teil, der nicht verfällt, befindet sich im hinteren Bereich: Das ehemalige Heizkraftwerk der Anlage mit Wasserturm und Maschinensaal wurde saniert und ist Teil einer Besucherstätte. Ein Haus schräg gegenüber ist ebenfalls saniert, dort weist ein Schild auf ein Architektenpaar hin, das das Gebäude bewohnt.
Die Krankenhausanlage hatte früher eine Kapazität von 1200 Betten, wovon einige noch in den Krankenzimmern stehen, zumindest was davon übrig geblieben ist.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war Heilstätten ein Lazarett und Sanatorium für Kriegsverletzte und Rekonvaleszente. Nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1994 war die Anlage in sowjetische Hand der roten Armee.
Als 2001 die Eigentümergesellschaft in Insolvenz ging, gab es keine Möglichkeit mehr, die Anlage weiter zu betreiben. Seitdem verfällt sie zunehmend. Die wunderschöne Architektur und der nostalgische, natürliche und durch Vandalismus herbeigeführte Zerfall, verleihen diesem Ort einen ganz besonderen Charme.
Nicht nur Filmproduktionen bietet dieser Ort ein außergewöhnliches Set, Besucher kommen hierher, um herumzustöbern, zu fotografieren oder einzutauchen in die Geschichte, die hier noch immmer spürbar ist. Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Kommunismus und die Wiedervereinigung sind hier nicht spurlos vorbeigegangen.
Die Gebäude sind durch verschiedene Schlupflöcher allesamt zugänglich und bieten ein faszinierendes, spannendes und individuelles Abenteuer.
Beelitz-Heilstätten ist ein abwechslungsreiches Ausflugsziel, neben den Potsdamer Schlössern und den umliegenden Seen. Bestenfalls kommt man mit dem Fahrrad hierher, denn die Umgebung ist mindestens genauso schön und aufregend wie die Anlage.




