Streetart, Mauer, Wenders und U2 – 25 Jahre Thierry Noir

Der regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), würdigte am Freitag, 6.11.2009, die East-Side-Gallery, jenes Stück Berliner Mauer, das an der Mühlenstraße zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof entlang der Spree seit 1990 auf 1300 Metern Länge 118 Künstlern aus aller Welt eine künstlerische Plattform bietet. Monatelang war das teilweise ergraute Kunstwerk zu neuer Farbkraft geweckt worden; 91 jener Künstler restaurierten 98 der 106 Kunstwerke pünklich zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls neu.
Ein Künstler feiert selber sein 25jähriges Jubiläum: Der Franzose Thierry Noir gehört zur ersten Generation von „Mauerkünstlern“, die sich in den achziger Jahren dem 'antifaschistischen Schutzwall'/'Schandfleck' von Westen aus künstlerisch näherten.
Mit einem One-Way-Ticket in der Tasche – angezogen wie viele seiner Generation von Berlin und der Musik der Neuen Deutschen Welle, DAF, Nina Hagen, Iggy Pop, David Bowie und Lou Reed – verschlug es ihn 1982 von Lyon nach Berlin. Noir, Jahrgang 1958, lebt seither in der Hauptstadt. 1984, im April, begann er gemeinsam mit den Künstlern Christophe-Emmanuel Bouchet und Kiddy Citny, die Berliner Mauer zu bemalen. Der Künstler lebte vis-à-vis zur Mauer im Georg Rauch Haus, war tagtäglich mit ihrer Existenz konfrontiert: Sein Ziel war seiner Aussage nach, die Mauer zu „entmystifizieren“.
Die Mauer als politisches Objekt fungierte als Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung: Eine subjektive Projektionsfläche für den künstlerischen (politischen) Aufruf gegen die „tägliche Tristesse“ der Mauerexistenz.
Mit Wim Wenders, der Noir Mitte der Achziger beauftragte für seinen Film „Himmel über Berlin“ die Berliner Mauer zu bemalen, wurde Noirs Stil, zunächst von der Öffentlichkeit als „Grafitti“ angesehen, zur Kunst. Die irische Rockband U2, die anlässlich der Feierlichkeiten kürzlich ein Gratiskonzert am Brandenburger Tor gab ließen gar einen Trabant von Noir bemalen, welcher als Motiv für die 'Achtung-Baby' Singles dienten.
Mit der Bemalung des 3,60 Meter hohen Typus 'Grenzmauer 75' – für ihn die „größte Betonleinwand der Welt“ – wurde Noir dadurch auch international bekannt.
Noir sieht seine Bilder als Symbol für die neue Freiheit, die nach der Wiedervereinigung gewonnen worden sei, sowie als Sinnbilder für eine „Welt der Poesie“. Sein Stil ist assoziativ-einfach, bunt und schrill.
Ein Künstler feiert selber sein 25jähriges Jubiläum: Der Franzose Thierry Noir gehört zur ersten Generation von „Mauerkünstlern“, die sich in den achziger Jahren dem 'antifaschistischen Schutzwall'/'Schandfleck' von Westen aus künstlerisch näherten.
Mit einem One-Way-Ticket in der Tasche – angezogen wie viele seiner Generation von Berlin und der Musik der Neuen Deutschen Welle, DAF, Nina Hagen, Iggy Pop, David Bowie und Lou Reed – verschlug es ihn 1982 von Lyon nach Berlin. Noir, Jahrgang 1958, lebt seither in der Hauptstadt. 1984, im April, begann er gemeinsam mit den Künstlern Christophe-Emmanuel Bouchet und Kiddy Citny, die Berliner Mauer zu bemalen. Der Künstler lebte vis-à-vis zur Mauer im Georg Rauch Haus, war tagtäglich mit ihrer Existenz konfrontiert: Sein Ziel war seiner Aussage nach, die Mauer zu „entmystifizieren“.
Die Mauer als politisches Objekt fungierte als Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung: Eine subjektive Projektionsfläche für den künstlerischen (politischen) Aufruf gegen die „tägliche Tristesse“ der Mauerexistenz.
Mit Wim Wenders, der Noir Mitte der Achziger beauftragte für seinen Film „Himmel über Berlin“ die Berliner Mauer zu bemalen, wurde Noirs Stil, zunächst von der Öffentlichkeit als „Grafitti“ angesehen, zur Kunst. Die irische Rockband U2, die anlässlich der Feierlichkeiten kürzlich ein Gratiskonzert am Brandenburger Tor gab ließen gar einen Trabant von Noir bemalen, welcher als Motiv für die 'Achtung-Baby' Singles dienten.
Mit der Bemalung des 3,60 Meter hohen Typus 'Grenzmauer 75' – für ihn die „größte Betonleinwand der Welt“ – wurde Noir dadurch auch international bekannt.
Noir sieht seine Bilder als Symbol für die neue Freiheit, die nach der Wiedervereinigung gewonnen worden sei, sowie als Sinnbilder für eine „Welt der Poesie“. Sein Stil ist assoziativ-einfach, bunt und schrill.Mauerrisiko
Der Künstler erklärt, dass sein Stil aus dem Medium der Mauer selbst hervorgangen sei: Denn das Bemalen der Mauer konnte keineswegs unter den selben Voraussetzungen geschehen, wie etwa die fünfundzwanzig Jahre spätere Sanierung:
Da die Mauer und eben die Fläche vor der Mauer Richtung Westen zum Territorium der damaligen DDR gehörte, stellte das Betreten und erst recht das Bemalen ein Risiko da. Noir nennt die Mauer zu Zeiten der deutschen Teilung "ein schlafendes Krokodil", das jederzeit aufwachen konnte um zuzuschlagen.
Nur Berliner Polizisten und allierte Patrouillienfahrzeuge hatten damals Zutritt zur Fläche. Alles musste demnach sehr schnell gehen – was sich im Stil der Künstler niederschlägt: Schnelles Abstrahieren, Umrisse malen, Füllen und dabei möglichst komplementär, um dem hässlichen Beton Leben zu geben. Zudem war es vorteilhaft nicht allein zu arbeiten, sinder mit anderen Künstlern zusammen oder an frequentierten Plätzen, wo die Staatsmacht nicht ungesehen eingreifen konnte.
Einige Kunstwerke Noirs, wie etwa die Gemeinschaftsproduktion mit Bouchet „Hommage à la Fontaine“, besitzen einen tieferen Subtext: Hier und da tauchen die Tiergeschichten La Fontaines auf, kombiniert mit der scheinbar geordneten Welt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Solche und viele andere Kunstwerke Noirs, Bouchets oder Kiddys existieren nicht mehr, die schnelle Dekonstruktion der Berliner Mauer hat einen Großteil der Werke zerstört – ein großer Fehler, wie man heute seitens des Denkmalsschutzes einräumt. Durch den Ausverkauf von ganzen Mauerblöcken wurden hingegen Teile seiner Kunst konserviert, so stehen im Garten der UNESCO und auf den Grundstücken einiger Stars und Millionäre einzelne Blöcke der Berliner Mauer mit Noirs Kunst.
Einige der damaligen Kunstwerke können nur noch auf Fotos oder Videomaterial gesehen werden. Der Kurzfilm „Berliner Blau“ (1986) von Hartmut Jahn und Peter Wensierski versucht experimentell-künstlerisch den Einfluss der Berliner Mauer auf die Psyche der Berliner in der geteilten Stadt aufzuzeigen und zeigt drei Jahre vor der Wende mit der möglichen Überwindung der Mauer durch Kunst - Thierry Noir in Aktion - ein seismologisches Gespür für den Nerv der Zeit. U.a. zeigt der Film Noir beim Anfertigen einer seiner markantesten Motive - zugleich eines der größten Motive der East-Side Gallery: Noirs Köpfe.
Da die Mauer und eben die Fläche vor der Mauer Richtung Westen zum Territorium der damaligen DDR gehörte, stellte das Betreten und erst recht das Bemalen ein Risiko da. Noir nennt die Mauer zu Zeiten der deutschen Teilung "ein schlafendes Krokodil", das jederzeit aufwachen konnte um zuzuschlagen.
Nur Berliner Polizisten und allierte Patrouillienfahrzeuge hatten damals Zutritt zur Fläche. Alles musste demnach sehr schnell gehen – was sich im Stil der Künstler niederschlägt: Schnelles Abstrahieren, Umrisse malen, Füllen und dabei möglichst komplementär, um dem hässlichen Beton Leben zu geben. Zudem war es vorteilhaft nicht allein zu arbeiten, sinder mit anderen Künstlern zusammen oder an frequentierten Plätzen, wo die Staatsmacht nicht ungesehen eingreifen konnte.
Einige Kunstwerke Noirs, wie etwa die Gemeinschaftsproduktion mit Bouchet „Hommage à la Fontaine“, besitzen einen tieferen Subtext: Hier und da tauchen die Tiergeschichten La Fontaines auf, kombiniert mit der scheinbar geordneten Welt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Solche und viele andere Kunstwerke Noirs, Bouchets oder Kiddys existieren nicht mehr, die schnelle Dekonstruktion der Berliner Mauer hat einen Großteil der Werke zerstört – ein großer Fehler, wie man heute seitens des Denkmalsschutzes einräumt. Durch den Ausverkauf von ganzen Mauerblöcken wurden hingegen Teile seiner Kunst konserviert, so stehen im Garten der UNESCO und auf den Grundstücken einiger Stars und Millionäre einzelne Blöcke der Berliner Mauer mit Noirs Kunst.
Einige der damaligen Kunstwerke können nur noch auf Fotos oder Videomaterial gesehen werden. Der Kurzfilm „Berliner Blau“ (1986) von Hartmut Jahn und Peter Wensierski versucht experimentell-künstlerisch den Einfluss der Berliner Mauer auf die Psyche der Berliner in der geteilten Stadt aufzuzeigen und zeigt drei Jahre vor der Wende mit der möglichen Überwindung der Mauer durch Kunst - Thierry Noir in Aktion - ein seismologisches Gespür für den Nerv der Zeit. U.a. zeigt der Film Noir beim Anfertigen einer seiner markantesten Motive - zugleich eines der größten Motive der East-Side Gallery: Noirs Köpfe.
Wer sich für Noirs, Bouchets oder Kiddys Kunst über die East-Side-Gallery hinaus interessiert, sollte der Galerie Noir in der Nollendorfstr. 10 in Schöneberg, unweit des Winterfeldtplatzes einen Besuch abstatten.
Hier hängen ausgewählte Motive der Künstler und einige seiner Figuren sind ebenso zu begutachten – und mit etwas Glück ist Thierry Noir auch persönlich anwesend. Wer noch Zeit findet, hat bis zum 9. November die Möglichkeit sich die Ausstellung ausgewählter Werke Noirs in der LUMAS-Gallerie in den Hackeschen Höfen anzuschauen.
Hier hängen ausgewählte Motive der Künstler und einige seiner Figuren sind ebenso zu begutachten – und mit etwas Glück ist Thierry Noir auch persönlich anwesend. Wer noch Zeit findet, hat bis zum 9. November die Möglichkeit sich die Ausstellung ausgewählter Werke Noirs in der LUMAS-Gallerie in den Hackeschen Höfen anzuschauen.
von Till Wörfel
im Internet
http://www.galerie-noir.de/
Interview mit dem Künstler
http://www.u2tour.de/news/article2242.html
Video-Reportage von Ralf Gründer
http://www.berliner-mauer.de/quicktimevideo/qt-video-mauermaler.htm
Mauergallerie
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East Side Gallery
Mühlenstraße 70-71
10243 Berlin
erreichbar über S/U Warschauer Str. oder S Ostbahnhof








