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Das, was dort verheißungsvoll und mysteriös aus den Bäumen rankt war einst das Wahrzeichen dieser Gegend, bis in den Neunzigern die Treptowers die visuelle Anziehungskraft und Ende der Neunziger die ökonomische Kraft das Bild veränderten.
Kulturpark Plänterwald - Insolvenzpark
Nach der Wende wurde der Park, wie seine Stadt, westlicher: Achterbahnen, eine Wildwasserbahn, eine Veranstaltungsbühne und ein englisches Dorf veränderten das ehemalige Volkseigentum. Aus dem Kulturpark wurde die Spreepark Berlin GmbH. Das Riesenrad blieb.
Wenn man heute durch das Landschaftsschutzgebiet des Plänterwalds läuft, kann man die Kinderschreie, das Jauchzen, die Lebendigkeit, das bunte Treiben, die der Vergnügungsark einst ausstrahlte nur schwer erahnen. Entlang des eingezäunten Gebiets, welches als Privateigentum ausgewiesen ist und den Zutritt strengstens untersagt, kann man den einen oder anderen Blick erhaschen. Da liegt inmitten des Waldes ein schlafender Riese, ein wenig verwunschen und märchenhaft, zugleich trist und rostig verfallend. Die Natur holt sich das zurück, was der Mensch ihr einst nahm. Zahlreiche Tierarten haben ein seit Jahren wenig berührtes Terrain besiedelt. Aus dem Pflanzendickicht schauen die ehemaligen Attraktionen hier und da hervor. Eine Schwanfamilie scheint inne zu halten, ertappt von dem neugierigen Besucher. Durch die Bäume ist die mächtige Silouette eines Dinosauriers zu erkennen, einige Schritte weiter eröffnet sich der Blick auf die Dinosauriergemeinschaft: Sie stehen und liegen, Es fehlen ihnen vereinzelt Kopf, Fuß oder Bein. Die Gondeln einer der Achterbahnen ohne Looping haben mittlerweile die moosbraune Farbe des Waldes angenommen, überall liegt Schrott, umwuchert von Grün, ein wenig wie ein Autofriedhof, der an bessere Zeiten erinnert. Eine faszinierende Szenerie erstreckt sich hier auf 29 Hektar und lockt nicht nur Kupferdiebe an. Die 24 Stunden Notfallhotline der vom Liegenschaftsfond beauftragten Sicherheitsfirma, schreckt weniger ab, sondern zieht Fotografen und meist jüngere Menschen an, die hier etwas Abenteuer suchen. Das Verbotene, Schöne und Faszinierende verbindet die Neugierde.
Norbert Witte, der die Spreepark GmbH nach ausbleibenden Besuchereinnahmen Ende der Neunziger, 2001 mit einem Berg Schulden in die Insolvenz führte und selber 2002 nach Peru flüchtete, ist heute wieder Verwalter des Parks. Dass dies nach siebenjähriger Haftstrafe wegen Kokainschmuggels, nach einer weiteren Pleite seines Limaparks in Peru und zuvor verantworteten Unfalltoten durch von ihm unterhaltenen Fahrgestellen in Hamburg, überhaupt möglich ist, bleibt ein wenig nachzuvollziehende Tatsache. Clemens Teschendorf, Sprecher des Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin folgend, wird das Insolvenzverfahren mangels Insolvenzmasse eingestellt, die rechtliche Konsequenz hieraus ist, dass der alte Eigner in das Erbbaurecht eintritt. Eine solche Szenerie und Geschichte bieten Anlass zur künstlerischen Rezeption. Ausführlich befassen sich die Dokumentationen "Kulturpark: Korrution, Karusselle und Kokain" (Immanuel Weinland), sowie der 2009 in den Kinos angelaufene, überaus sehenswerte "Achterbahn" von Peter Dörfler mit dieser Thematik. 2006 inszenierte Neuköllner Oper das Stück "Geschichten aus dem Plänterwald".
Wer dem Treptower Park einen Besuch abstattet, sollte unbedingt nicht verpassen, bis zur Insel der Jugend und dem dort beginnenden Plänterwald vorzustoßen, um - den einen oder anderen Blick über den Zaun werfend - sich selber ein Bild des schlafenden Riesen zu machen.
von Till Wörfel
Plänterwald und Spreepark
S-Treptower Park
S-Plänterwald
Einfach der Spree entlang dem Riesenrad folgen.




