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Helge Schneider kramt in der Augsburger Puppenkiste nach Molière Hot

 
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Berliner EnsembleBerliner Ensemble

Inszenierung am Berliner Ensemble


Rezension der Premierenaufführung von Schillers "Der Parasit oder die Kunst sein Glück zu machen" am 28.10.2009 im Berliner Ensemble.



 


Dass Friedrich Schiller sich für seine Komödie an einer französischen Vorlage probiert hat, liegt nahe, denn der Dichter war seinerseits alles andere als ein Komödiendichter und in Frankreich hatte die Komödie spätestens seit Molière ihre Blüte erreicht. Schillers Bühnenstück basiert auf zwei Stücken von Louis Benoît Picard und wurde auf Wunsch des Weimarer Herzogs erstellt.


Warum die Inszenierung am Berliner Ensemble wohl bewusst mehr auf den Effekt als auf den Inhalt setzt, bleibt fraglich, aber sicherlich gibt Schillers Komödie weit mehr her als nur simplen Klamauk.


Kurz zum Inhalt: Narbonne, ein Minister des Königs, lässt sich durch einen Heuchler namens Selicour blenden, erkennt aber am Ende des Stückes, dass er dem Schein Selicours erlegen war und revidiert seine Entscheidungen.


Selicour selbst, ein Heuchler wie Tartuffe, versucht die Karriereleiter zu erklimmen und zugleich die Tochter des Ministers zur Frau zu gewinnen. Diese ist in Karl, den Sohn Firmins, verliebt. Karl ist ganz Gefühlsmensch, der sein Innerstes in Gedichte umwandelt. Der alte Firmin ist untadeliger und braver Beamter, erfolgreich in seinem Dienst für den König, aber eher ein Mensch, der im Hintergrund arbeitet.


Warnende Stimme während des gesamten Stücks ist der Angestellte La Roche, der einst Opfer von Selicours Intrigen wurde und nun versucht, an diesem Rache zu üben.


Eine weitere Figur, die über den wahren Selicour zu berichten weiß, ist dessen Vetter vom Land. Doch immer wieder gelingt es Selicour, seinen Verwandten zum Schweigen zu bringen, sodass die Auflösung erst in der letzten Szene gelingen kann.


Das Figureninventar ist komödientypisch angelegt und der Zuschauer kann ohne große Verwirrung an der Auflösung der Intrige teil haben.



 


Philip Tiedemann hat seine Figuren als menschliche Puppen aufgefasst, die auf einer zu einem Turm gebauten Bühne agieren. Die einzelnen Stufen des Turms verfügen über Klappen, aus welchen die


Figuren immer wieder auftauchen. Ein Percussionist, Peer Neumann, unterstreicht wichtige Gesten der Handelnden musikalisch und greift dabei auf ein breites Spektrum an Klangelementen zurück.


 



 


Bevor die Komödie beginnt, werden die Zuschauer mit Hammond-Klängen berieselt. Vor der Bühne sind die Instrumente für die klangliche Untermalung aufgebaut. Man fühlt sich stark an Helge Schneider erinnert, der bei seinen Shows gerne auf seiner Orgel improvisiert.


Der erste Auftritt gebührt Selicour, der gleich in mehrfacher Ausführung auf und neben der Bühne erscheint, und seine Losung skandiert: Die Kunst, sein Glück zu machen. Was vielversprechend mit der Figurenversiebenfachung beginnt – jeder einzelne Selicour spricht die entscheidende Phrase in unterschiedlichen Klangnuancen – wird im Laufe des Stückes leider immer wieder auf alberne Slapstick-Einlagen reduziert.


Dieser Eindruck bleibt auch bei den übrigen Figuren bestehen. Die Schauspieler, halb Mensch, halb Puppe, sitzen auf ihren Stufen und es wird ins Gemächt gezwackt, geschubst, gehampelt und gestrampelt. Gewiss, eine Komödie soll auch zum Lachen anregen/animieren, aber wenn ein Witz einmal die gewünschte Publikumsreaktion hervorgerufen hat, ist/wirkt eine mehrfache Wiederholung desselben überflüssig und bisweilen gar lästig, umso mehr, da so der Eindruck einer plumpen Effekthascherei entsteht. Vielleicht liegt es an der Umsetzung als Puppentheater, dass immer wieder der Anschein geweckt wird, in einer Aufführung der Augsburger Puppenkiste gelandet zu sein und nicht im Berliner Ensemble.


Das Intrigenspiel, in dem ein Minister gerade sein Amt angetreten hat, ließe sich beispielsweise gut auf die heutige politische Ebene übertragen. Viele Züge der Figuren kann der Zuschauer im alltäglichen Geschehen wiederfinden. Doch die übersteigerte Albernheit, die auf der Bühne Einzug hält, lässt tiefgründigere Einsichten in Schillers Stück kaum zu.


Handwerklich ist die Umsetzung als Puppenspiel beeindruckend, keine Figur verpasst ihren Einsatz. Die Synchronisation zwischen Klangeffekten und Gesten funktioniert reibungslos. Jedoch überlagert die Machart das feinsinnige Intrigenspiel von Schillers Komödie und das aussagekräftige Finale („Die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter als das geflügelte Talent, der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.“) geht in einer gesungenen Revue-Anleihe unter.


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